Ein inszeniertes Konzert zwischen Stillstand und Raserei.

Premiere: 27. Januar 2023 Volksbühne Frankfurt

12. Februar und 26. Februar 2023

Die Kompositionen von Uwe Dierksen erzählen Geschichten. Es sind zutiefst menschliche Geschichten von skurriler Situationskomik und philosophischer Gelassenheit, von Schock und Verlust. Ein furchtloser Blick auf die Welt aus der Perspektive eines Ausnahmezustands.
Philosophische Betrachtungsweisen (Michael Krüger: „wie spürt man die Zeit?“) werden kontrastiert durch Soundtracks aus MRT-Geräuschen, Krankenwagen Sirenen, Fahrstuhltüren, etc., Krankenhaus-typische Geräusche, die durch die Nachricht eines schockierenden Befundes zu einem subjektiv überhöht empfundenen Alptraum werden.
Musik und Text oszillieren zwischen Tunnelblick und Weitblick, zwischen Sarkasmus und abgeklärter (Un)ruhe, und evozieren, wie im Fieberwahn und fernab jeglicher Betroffenheit, immer neue Klang-Landschaften.
Ein spezieller kompositorischer Fokus liegt auf der gesanglichen Qualität der Posaune. Im Zusammenklang mit der menschlichen Stimme durchmischen sich beide, je nach Obertonlage unterschiedlich, und entwerfen immer neue Klangspektren.
Groteske wird es, wenn etwa Herr H., in seinem Ausnahmezustand, unbedingt alle Heizungen entlüften möchte, dabei aber nicht (mehr) zwischen Heizung und Feuerlöscher unterscheiden kann und auch nicht zwischen Abendbrot und Medikamentenwagen.
Oder wenn ein Popsong von einer Frau erzählt, der im Nebelrausch der Beruhigungstabletten ihr ungeliebter Ehemann im Traum erscheint, begleitet von einem Engelschor aus Schwestern und Ärzten…
„Herr im Haus“ zu bleiben (Wolfgang Herrndorf) ist im Angesicht einer Ausnahmesituation oberste Devise, nicht die Kontrolle verlieren und schon gar nicht die Souveränität.

Mit Uwe Dierksen (Posaune, Leitung), Franziska Junge (Gesang), Lou Dierksen (Trompete, E-Gitarre), Steffen Ahrens (Gitarre, E-Gitarre), Pierre Decker (Kontrabass, E-Bass), Vitaly Kyianytsia (Klavier), David Haller (Schlagzeug)
Komposition Uwe Dierksen Text Michael Krüger, Wolfgang Herrndorf, Uwe Dierksen, Barbara Dierksen Regie Matthias Faltz Licht / Video Matthias Faltz, Jost van Harleßem Sounddesign Lennart Scheuren

Uwe Dierksen komponiert neue Musik für den Stummfilm – Klassiker. Erstsendung auf arte am 9. Mai 2022, danach in arte mediathek. https://www.arte.tv/de/videos/022489-000-A/menschen-am-sonntag/

Rekonstruiert und mit neuer Filmmusik: Billy Wilders „Menschen am Sonntag“ auf Arte

Dierksen, Posaunist des Ensemble Modern, strebt keine historisch korrekt gemeinte Stilistik an. Er verzichtet auf Zwanziger-Jahre-Salonorchester-Ästhetik und wählt statt dessen eine schnelle, schnörkellose Linienführung, elastische Tempi und eine anpassungsfähige Dynamik. Kleine Zitate enthalten für die, die das zu würdigen wissen, filmhistorische und musikgeschichtliche Verweise, aber die Musik funktioniert auch ohne einschlägige Kenntnisse beim Publikum. Ein Soundtrack ist hier entstanden, der jegliche Differenz zwischen ernster und populärer Musik hinter sich lässt und dem Film jene freundliche Unterstützung gibt, die Billy Wilder sich vermutlich gewünscht hätte. (Hans-Jürgen Linke)

..“ob singend oder verzerrt, keifend oder schmeichelnd, verärgert oder rhythmisch rappend wie eine anfahrende Dampflokomotive, Judith Rosmair und Uwe Dierksen verbinden in „Curtain Call“auf beste charmant-intelligente Weise Wort und Ton, Sinn-und Sinnlichkeit, absurden Humor und hohe Literatur. Frankfurter Allgemeine Zeitung

bis 23. Oktober 2021 in der ARD Mediathek oder unter dem Reiter: Musik

Die neue Filmmusik von Uwe Dierksen, komponiert für ein Quartett aus Klavier, Violine, Violoncello und Posaune, schmiegt sich perfekt an den Film an. Ausgehend vom Swing der 1920er Jahre, transformiert Dierksen Harmonien und Rhythmen langsam zu etwas Neuem, ohne das Alte ganz zu verleugnen.Wie an der Länge und Stärke des Applauses abzulesen war, befand das Publikum: Das war Spitze! Westfalen Blatt