Literaturtage 2017: Grund unter Grund: Frank Witzel und Uwe Dierksen

Am Montag, 6. November, liest Frank Witzel aus seinem Roman „Direkt danach und kurz davor“, zudem ist der Posaunist Uwe Dierksen im Literaturhaus zu Gast.
Der Posaunist Uwe Dierksen.© wiesbaden.de / Foto: Andreas Etter

Im Rahmen der 20. Wiesbadener Literaturtage findet unter dem Titel „Grund unter Grund“ am Montag, 6. November 2017, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine ein Abend mit dem diesjährigen Kurator des Festivals – Autor Frank Witzel – und dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern statt. Witzel liest aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, vom Deutschlandfunk (DLF) und der „taz“. Die Literaturtage werden vom Kulturamt Wiesbaden – Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain veranstaltet.

Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Deutschland in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es herrscht Krieg im Frieden, aller Umerziehung zum Trotz. Körperteilopferungen werden ausgestellt und das Waisenhaus brennt. Flugzeuge stürzen ab, Züge entgleisen, die Pläne zur Weltmechanik sind unauffindbar. Kinder gründen eine neue Religion und ersticken unter Lawinen. Die unterschiedlichen Stimmen versuchen, Geschichte durch Geschichten zu erfassen. Sie tasten nach Gründen und werfen mit jeder Frage neue Fragen auf. Gewissheit wird zur Illusion, das Imaginierte zum letzten Zufluchtsort. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen.

Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben. In einer direkten und spontanen Kommunikation, in der improvisierte Fragmente das Komponierte und Ausformulierte immer wieder durchkreuzen, werden die Sprache zum Klang und die Musik zur Erzählung.

Karten kosten im Vorverkauf – unter anderem in der Tourist-Information – zwölf, ermäßigt neun Euro plus Vorverkaufsgebühr, an der Abendkasse dann 16, ermäßigt 13 Euro. Die Karten können aber auch ganz bequem über wiesbaden.de gebucht werden.

Musikfest Fremd bin ich…

NACH(T)KONZERT

The Immigrant (USA 1917; Charlie Chaplin)

Samstag 16. September 2017
21:30, Mozart Saal
Charlie Chaplin: The ImmigrantCharlie Chaplin: The Immigrant © Roy Export Archives

Stummfilm mit neuer Filmmusik von Uwe Dierksen

Eintritt frei
Dauer: ca. 30 Minuten

In spannungsvollem Kontrast zu dem gedankenreichen Abend des 16. Septembers – mit dem Gespräch „Flucht und Trauma“ um 17.30 Uhr und dem Konzert „Doch bin ich nirgend, ach! zu haus“ um 19.00 Uhr – steht der Ausklang mit Charlie Chaplin, der sich mit Slapstick dem Thema Migration widmet. „The Immigrant“ heißt seine Komödie von 1917. Sie setzt bitter­komisch den beschwerlichen Weg von Europa nach Amerika und das hindernisreiche Ankommen in der Neuen Welt in Szene. Uwe Dierksen – Posaunist und Mitglied des Ensemble Modern – hat für das Werk der Stummfilm-­Ära ein modernes Klanggewand geschneidert, das hier als neue Tonspur des Films erklingt.

Ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Schwerpunktthemas „Transit“

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EIN LIVE-HÖRSPIEL VON UWE DIERKSEN UND MATTHIAS GÖRITZ. NACH MOTIVEN VON WILLIAM BOURROUGHS UND MARK STRAND

Irres Licht besticht allein schon durch seine Interpreten. Christian Brückner, berühmteste Stimme der Republik, dessen Lesungen regelmäßig das Publikum der Ruhrfestspiele in Scharen locken, Franziska Junge, Protagonistin am Frankfurter Schauspiel, und Judith Rosmair, 2007 zur Schauspielerin des Jahres gewählt.
Die Dichte und suggestive Kraft der Sprache verraten noch, dass diese Reise ins Innere als Hörspiel begann. In einer losen Kette assoziativer Bilder erinnert sich ein alter Mann an sein Leben, an das reale und an das nie gelebte, das quälend durch seine Vorstellungen geistert. Wie in einem Reigen klingen all die Motive an, die unser Dasein bestimmen: Liebe und ihr Scheitern, Euphorie und Selbsthass, Sehnsucht nach sprachlosem Glück und dazwischen immer wieder der nüchterne Blick auf den eigenen Körper und dessen Zerfall. Weibliche Stimmen mischen sich ein – die Geliebte, die Tochter. Die Nabelschau ist beendet, ein leidenschaftlicher Disput setzt ein.